Spiegelbild (Raeven Lesley)

 
Ich bin, was du siehst,
und doch nur ein Bildnis im Spiegel,
hinter Glas gefangen,
unnahbar,
nur Schein,
ohne Körper,
ohne Wärme,
keine Seele,
ein Bildnis nur,
solange du nicht hinter den Spiegel blickst,
wirst du nicht wissen,
wer ich bin.
 
Du kannst mein Gesicht sehen,
doch meine Seele nicht,
kannst meinen Körper berühren,
doch mein Herz bleibt dir fremd,
solange du nicht mehr siehst,
als ein Bildnis im Spiegel.
 
(Raeven Lesley)
Veröffentlicht unter Sinn.Reich | 301 Kommentare

Wäre ich ein Gott … (Raeven Lesley)

 
Wäre ich ein Gott,
würde ich alle Steine aus deinem Weg räumen,
würde ich die dunklen Wolken von deinem Horizont vertreiben,
würde ich die Welt aus den Angeln heben,
sie nach deinen Träumen neu erschaffen.
 
Wäre ich ein Gott,
würde ich die Ängste von dir nehmen,
würde ich die Last der Sorgen für dich tragen,
würde ich dein Leben mit Harmonie erfüllen,
wäre deine Welt vollkommen.
 
Aber ich bin nur ein Mensch,
ich kann dir nur meine Hand reichen,
an dich glauben, für dich da sein –
und manchmal einen Augenblick des Glücks mit dir teilen,
stets wissend,
ich bin nur ein Mensch –
und deshalb perfekt darin,
unvollkommen zu sein.
 
(Raeven Lesley)
Veröffentlicht unter Sinn.Reich | 332 Kommentare

Das Konzept Gott

Bislang haben wir das Thema Gott vermieden, sind doch Streitigkeit um dieses Thema so alt wie die Menschheit selbst. Doch die Faszination, die so manchen Konzepten von Gott innewohnt, hat uns wieder mal in ihren Bann gezogen.

Betrachtet man Gott als ein “Wesen” (im weitesten Sinn) welches das gesamte Universum (sichtbares, unsichtbares, bislang entdecktes und unentdecktes, materielles, immaterielles, physisch, psychisch, emotional, spirituell … kurz gesamt, wirklich ALLES) umfasst, lässt sich daraus die Aussage ableiten: es gibt nichts außer Gott – alles ist Gott!

So weit, so einfach. Wenn es nichts außer Gott gibt, erübrigen sich alle Streitereien, welcher Gott (bzw. Glaube) denn nun der Rechte sein, weil doch alles Teile des einen Gottes sind. Es erübrigen sich alle Diskussionen über Gebote und Verbote, gar über Sünde und Strafe. Warum sollte Gott uns für etwas strafen das wir tun, wo doch er hat allem steckt?
Weiters impliziert die Annahme, das es nichts außer Gott gibt natürlich auch, dass jegliche Kritik an was auch immer in diesem Universum eine Kritik an Gott ist. Man könnte sagen, pure Rechthaberei der höheren Instanz gegenüber, denn wer sind wir, Gott in Frage zu stellen? Auf der anderen Seite sind diese Gedanken natürlich auch Gott entsprungen, denn es gibt nichts außer Gott.

Selbst unsere naiven Versuche, Gott menschlich zu machen, ihm Attribute wie richtend, bestrafend, ja auch beschützend anzuhängen führen sich selbst ad absurdum. Wenn Gott alles ist und es nichts außer ihm gibt, dann ist dieses Universum mit allen darin sein Selbst, und der menschliche Drang, es möge doch alles im Sinne der menschlichen Interessen verlaufen, ein egoistischer Anspruch der das Misstrauen zum Ausdruck bringt, er würde es allein hinbekommen.

Oder anders gesagt: alles geschieht aus gutem Grund, doch nur allzu oft entzieht sich aus Menschen die Kenntnis für diesen Grund. Und noch viel öfter bewerten wir anhand unserer menschlichen Kriterien. Das Universum oder Gott mit menschlichen Maßstäben messen zu wollen ist wohl mehr als arrogant. Wir sollten froh darüber sein, dass Gott nicht menschlich ist, denn würde er wie wir urteilen, er würde uns vielleicht von der Landkarte fegen aufgrund unserer Unbelehrbarkeit und Zerstörungswut seiner Schöpfung gegenüber. Gründe dafür liefern wir ihm seit Langem mehr als genug. Aber Gott ist eben göttlich, und so sind auch unsere menschlichen Eskapaden des Wahnsinns (Kriege, Umweltzerstörung, Gewalt, Verbrechen, …) ein Teil des Ganzen, des Universums, Gottes … und irgendetwas wird er sich dabei gedacht haben, ein Wesen wie den Mensch zu schaffen.

 

Veröffentlicht unter Philosopherl | 489 Kommentare

Es gibt noch Wunder (Raeven Lesley)

 
Hast du dich je gefragt, warum wir einen Sonnenaufgang erleben dürfen?
Warum auf den Winter der Frühling folgt?
Warum die Sterne am Himmel erstrahlen?
Dinge, di du oft erlebt, aber deren Sinn und Schönheit du nie erfahren hast.
Nimm es nicht als gegeben,
geh nicht unbedacht daran vorüber,
es sind Wunder, derer wir dankbar sein sollten,
denn es könnte der Tag kommen,
an dem die Nacht nicht geht,
der Frühling nicht kommt,
und die Sterne verblassen.
 
Hast du dich je gefragt, warum der Adler sich in die Lüfte erhebt?
Warum unter tausend Blüten eine jede anders ist?
Warum die Natur uns leben lässt?
Dinge, die du oft gesehen hast, aber deren Einzigartigkeit du nie wahrgenommen hast.
Nimm es nicht als gegeben,
sieh nicht unbedacht daran vorbei,
es sind Wunder, derer wir uns bewusst sein sollten,
denn es könnte der Tag kommen,
da die Luft leer,
die Blüten verwelkt,
und wir nicht mehr da sind.
 
Hast du dich je gefragt, warum es Freundschaft gibt?
Warum Menschen da sind, wenn du sie brauchst?
Warum Alleinsein nicht gleich Einsamkeit ist?
Dinge, die dir nicht fremd, aber manchmal unverständlich sind.
Nimm sie nicht als gegeben,
lass sie nicht unbedacht vorüberziehen,
es sind Wunder, die dir widerfahren,
und es könnte der Tag kommen,
da du Freunde brauchst,
sie jedoch den Weg vorausgegangen,
und du einsam bist.
 
Hast du dich je gefragt, warum ein Kind erwachsen wird und vergisst,
ein Kind gewesen zu sein?
Warum wir Geborgenheit so sehr suchen?
Warum es so schwer fällt zu vertrauen?
Dinge, die du kennst, und die du selbst erfahren hast,
nimm sie nicht als gegeben,
lass sie an dir vorüberziehen,
es gibt noch Wunder, glaube mir,
denn es wird der Tag kommen,
an dem du dich erinnerst,
du wirst finden, was du suchst,
und es wird ganz einfach geschehen,
wie ein Wunder.
 
Hast du dich je gefragt, was Liebe ist – wenn nicht ein Wunder?
Wenn nicht das größte Wunder überhaupt?
 
(Raeven Lesley)
Veröffentlicht unter Sinn.Reich | 373 Kommentare

Wenn die Sonne den Horizont berührt II (Raeven Lesley)

 
Stell dir vor wie es ist,
wenn die Sonne den Horizont berührt,
wenn glühender Stahl in Wasser taucht,
wenn Schnee in Feuer fällt,
wenn deine Hand meinen Körper berührt.
 
Stell dir vor, wie es ist,
wenn die Nacht den Tag umfasst,
wenn der Mond die Sonne verdeckt,
wenn sanfte Wärme dich einhüllt,
wenn mein Körper an deinem ruht.
 
Stell dir vor, wie es ist,
wenn das Meer erstarrt,
wenn die Zeit zum Stillstand kommt,
wenn die Einsamkeit nicht geht,
wenn du nicht bei mir bist.
 
Stell dir vor, wie es ist,
wenn du wiederkehrst,
wenn dein Blick auf meinen trifft,
wenn deine Seele die meine spürt,
wenn die Sonne den Horizont berührt.
 
(Raeven Lesley)
Veröffentlicht unter Sinn.Reich | 367 Kommentare

Rachel’s Song (Raeven Lesley)

 
Nur einen Augenblick …
möchte ich Ruhe finden,
möchte meine Augen schließen,
alle Gedanken loslassen,
sie wie Tauben in den Himmel steigen sehen.
 
Nur einen Augenblick …
möchte ich geborgen sein,
möchte ich einen anderen Menschen spüren,
ihn festhalten,
und seinen Herzschlag mit meiner Seele fühlen.
 
Nur einen Augenblick …
möchte ich die Zeit anhalten,
möchte ich sein,
wer ich bin,
und danach nie wieder sein kann.
 
Nur einen Augenblick …
möchte ich diese Welt verlassen,
möchte ich Ewigkeit erfahren,
und glauben können,
dass jedes Ende auch ein Anfang ist.
 
(Raeven Lesley)
Veröffentlicht unter Sinn.Reich | 357 Kommentare

Memories of green (Raeven Lesley)

 
Ich erinnere mich an ein Lied,
eine Melodie,
eine Nacht.
Ich erinnere mich an einen Blick,
ein lachen,
eine Berührung.
Ich erinnere mich an Wärme,
an Zärtlichkeit,
an Geborgenheit.
Ich erinnere mich an Licht,
an sanftes, warmes Licht,
und an zwei Körper, zwei Seele,
die in dieses Licht gingen …
und fielen …
und fielen …
und immer tiefer fielen,
sich auflösten,
verschmolzen.
Ich erinnere mich an ein Gefühl,
eine Empfindung,
intensiver, klarer und stärker
als alles andere davor.
Ich erinnere mich an Bilder,
und Träume,
an Farben,
an Licht.
Ich erinnere mich an Worte,
und einen Gedanken,
an Stille.
Ich erinnere mich an eine Bewegung,
die zwei Körper, zwei Seelen erfasst,
und mit sich fort trägt,
weit, weit weg,
in ein Land,
das keine Zeit kennt,
keinen Anfang und kein Ende.
Ich erinnere mich an Ruhe,
an Zufriedenheit
und Glück.
Ich erinnere mich an alles,
und nichts,
und an dich.
Ich erinnere mich an deine Stimme,
deine Augen,
und deine Wärme.
Und ich erinnere mich an Liebe.
 
(Raeven Lesley)
Veröffentlicht unter Sinn.Reich | 401 Kommentare

Verloren im Licht (Raeven Lesley)

 
Es ist nur ein Lichtstrahl,
der sich durch einen Spalt zwängt,
um nicht an Wänden zu zerbrechen,
den Weg sucht zu bestehen,
zu sein – um das Dunkel ringsum zu erhellen.
 
Weiches, warmes Licht,
an dessen Grenzen die Dunkelheit,
die Dimension des Undurchdringlichen erreicht,
ungewiss, was dahinter,
unbestimmt, ob außer dem Licht noch anderes existiert.
 
Es ist ein Licht, das mich umhüllt,
mich erleuchtet,
mich durchdringt,
mich in sich aufnimmt,
meine Konturen auflöst,
ganz so, als wolle es fragen:
Bist du?
Oder bist du nur ein Traum,
ein Trugbild,
verloren im Licht?
 
Fast möcht’ ich verweilen,
auf ewig in diesem Licht,
der Welt, der Zeit entrückt,
in einem Augenblick gefangen,
 
wär’ da nicht der Schatten deiner Hand auf meinem Körper,
der Hauch deiner Berührung,
die Wärme in meinem Herzen,
der Wunsch, dies Licht möge auch dich berühren.
  
Wär’ all dies nicht,
würd’ ich verharren im Licht,
das mich berührt wie der sanfte Kuss des Lebens,
wie nur du mich zu berühren vermagst,
und wärst du nicht bei mir,
würd’ ich zweifeln,
ob ich bin,
oder bin nur ein Traum,
ein Trugbild,
verloren im Licht.
 
(Raeven Lesley)
Veröffentlicht unter Sinn.Reich | 332 Kommentare

Wenn die Sonne den Horizont berührt (Raeven Lesley)

 
Wenn die Sonne den Horizont berührt,
wenn ihr Licht hinab in das Dunkel der Meere taucht,
wenn der Schatten der Nacht die Welt verhüllt,
wenn mein Blick sich nach innen richtet,
denn geht meine Seele auf Reisen,
meine Gedanken weit fort –
und sie bleiben doch nur bei mir.
 
Was ich auch sehe,
ich sehe es in mir.
 
Was ich auch fühle,
es lebt in mir.
 
Wohin ich auch gehe,
ich bleibe immer bei mir.
 
Meine Seele liegt vor Euch wie ein offenes Buch,
jedes Wort ein Spiegel,
jede Zeile ein Bild,
ein Weg zu mir,
ein Labyrinth,
scheinbar einfach,
und doch verworren.
Doch wer diesen Weg geht,
der wird mich finden,
irgendwo,
im Labyrinth,
irgendwann,
wenn die Sonne den Horizont berührt.
 
(Raeven Lesley)
Veröffentlicht unter Sinn.Reich | 357 Kommentare

Traumbilder (Raeven Lesley)

 
Manche Menschen träumen.
Manche träumen von Stimmen,
manche von Bildern,
manche träumen von Momenten im Leben die vergangen,
und manche von dem, das sie niemals sehen.
 
Manchen Menschen schlafen um zu träumen,
manche sind einfach nur wach,
gehen mit offenen Augen durchs Leben,
sehen Bilder, sehen Träume,
sehen, was anderen verborgen bleibt.
Und manche Menschen bewahren diese Bilder,
halten kostbare Augenblicke des Lebens fest,
schaffen Träume für jede, die nicht zu träumen vermögen,
Bilder für jene, die sehen und vergessen,
Erinnerungen die verweilen im Strom der Zeit,
Bilder für die Ewigkeit.
 
Manche schaffen Bilder aus der Botschaft der Träume,
manche werden durch Bilder verleitet zum Träumen,
manche Leben ihren Traum,
und manche Menschen träumen.
 
(Raeven Lesley)
Veröffentlicht unter Sinn.Reich | 479 Kommentare