Das Beste unter der Sonne …

… verspricht uns die Werbung doch allzu oft. Und es ist schon sehr interessant, welchen Spiegel die Marketingprofis uns vor Augen halten. Alles wird immer besser, hält immer länger, wird immer günstiger, wäscht immer weißer …

Superlativen wohin das Auge sieht. Fast könnte man meinen, Verbesserungen sind grenzenlos möglich. Wobei – immer günstiger heißt irgendwann gratis, oder? Immer weißer wird dann durchsichtig?

Das das ganze ein Riesen-Schmäh ist, wissen ja eh die meisten. Und dennoch funktioniert der Schmäh!
Wir streben nach Superlativen!
Immer schneller über die 100 m, das teuerte Klo der Welt für zig-Millionen, die größte Pizza, der leistungsstärkste Computer … durch alle Bereichen des Lebens spuken Superlativen.

Aber was macht das mit uns Menschen? Genauer gesagt mit jenen, die halt keine Superlativen ihr eigen nennen können? Also die überwiegende Mehrheit, der “Durchschnitt”.
Sieger werden bejubelt, aber bereits der 2. ist ein Verlierer und letztendlich schwingt immer die Frage mit, warum es denn nicht gereicht hat? Warum? “Warum” verlangt immer eine Rechtfertigung und rechtfertigen muss sich nur der der etwas falsch gemacht hat, also nicht gewonnen nicht, nicht der/die/das Beste war.
Umkehrschluß: ist alles was nicht super ist automatisch schlecht?

Wenn ich mir die Werbung so anschaue, bekomme ich fast diesen Eindruck. Alles und jeder wirbst mit Superlativen. “Ich bin das Beste” wird ausgesprochen, der folgende Halbsatz “weil die anderen schlechter sind” natürlich nicht. Aber er schwingt immanent mit. Wenn einer/etwas das Beste ist, muss alles andere schlechter sein.
Nicht das es genügt zu sagen, das etwas gut ist. Nein, es muss besser sein und damit gleichzeitig alles rundum deklassieren.

Aggressive Kommunikation in einer Gesellschaft die auf Verdrängungswettbewerb ausgerichtet ist.
Tagtägliche Berieselung durch das Medium Werbung und subtile Implementierung einer konkurrenzorientierten Konditionierung.

Mal ehrlich, wundert’s da noch, wenn’s rundum krieselt und kracht in Beziehungen jeglicher Art, zwischen Partnern, in Unternehmen, Familien, …

Der schönste Urlaub …
der tollste Sex …
die heißeste Party …

Ewig toppen wird mühsam. Was ist schöner als schön? Wie zu bewerten? Ach ja, alles kann in Rastern und nach Punkten bewertet werden? Auch Sex? Woran? Hormonausstoß messen? Mittendrin? Danke, ich verzichte!

Muss es wirklich immer “das Beste” sein um den Preis alles andere schlechter zu machen? Oder darf es einfach nur “gut” sein. Das es einfach nur Spaß machen – ohne Superlativen?

Wir alle machen uns das Leben ganz schon schwer und rauben uns selbst viel Spaß, wenn wir zu lassen, das umsatzwütige (und andere) Menschen uns mit Superlativen das Unterbewußtsein vollpflastern und wir dann – ohne es bewusst zu wollen – Superlativen ferngesteuert nachlaufen und dabei vielleicht viele tolle Dinge übersehen – weil sie eben “nur” gut sind.

Also, Augen auf! Bleibt wachsam und leistet Widerstand gegen Fernsteuerung!

… das ist der “beste” Tipp, den ich euch geben kann ;-)

 

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