Bitte lächeln

Es heißt, ein echtes Lächeln kommt von Herzen und man erkennt es an den Augen, nicht im Neigungsgrad der Mundwinkel.

Also, ein echtes Lächeln war es auf keinen Fall, was mir da vor ein paar Tagen am Nachbartisch im Kaffeehaus begegnet ist. Erstens zeigten die Mimikfalten ganz was anderes und zweitens war es dieses weitverbreitete “auf Knopfdruck” Lächeln, das, was wir Menschen abrufen können, wenn wir jemanden erblicken, den wir kennen, und uns plötzlich von unserer besten Seite zeigen wollen.

Ein echtes Lächeln ist vielmehr der Ausdruck einer tiefen inneren Zufriedenheit, eines mit sich und in der Welt in Frieden seins – und ja, auch ein derartiges Lächeln manifestiert sich über die Jahre im Gesicht eines Menschen, nur halt anders.

Albert Schweitzer hat gesagt: “Mit 20 hat jeder das Gesicht, das Gott ihm gegeben hat. Mit 40 das Gesicht, das ihm das Leben gegeben hat. Und mit 60 das Gesicht, das er verdient.”

Nun, er konnte nicht ahnen, dass eine Zeit kommen würde, in der die plastische Chirurgie herangezogen wird um diesem Spiegel des Lebens eine Politur zu verpassen. Heute ist es leicht (und bezahlbar) geworden, sich der Konfrontation mit dem Selbst-Bildnis zu entziehen. Schnipp schnapp – und alles ist anders.

Was wäre wohl, wenn die Menschen mehr an ihrer inneren Zufriedenheit und dem mit sich-selbst-und-der-Welt-in-Frieden-sein arbeiten? Würde das die Inflation der Schnipselsessions stoppen? Vielleicht gar diesen boomenden Wirtschaftszweig einen herben Schlag verpassen?
Würden dann Menschen auf den Straßen und in den Lokalen wandeln deren Grundmimik tatsächlich ein sanftes Lächeln ist?
Wie würde das wohl auf unser Leben, unsere Gesellschaft wirken? Ein echtes Lächeln wirkt entwaffend – wie viel unnötige Diskussionen und Streitigkeiten würden einfach entfallen? Wie viel angenehmer könnte unser aller Leben werden?

Wann, bitte schön, macht mal jemand eine Feldstudie dazu?

Mir gefällt die Idee, morgens die ersten beiden Menschen, die ich sehe anzulächeln. Einer davon werde ich selbst sein (im Spiegel), also tue ich mir selbst was Gutes. Der zweite wird jemand anders sein, der/die sich (hoffentlich) anstecken läßt und das Lächeln weiter trägt. Angeblich vermag ein Lächeln auf diese Weise innerhalb von 24 Stunden um die Welt zu reisen.
Keine Ahnung , ob das stimmt, aber es ist einen Versuch wert. ;-)

 

Dieser Beitrag wurde unter Philosopherl veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort